Krebs Wissensserie Teil 3

Brustkrebs: Vom gefürchteten Killer zur bezwingbaren Krankheit?

Dieser Artikel wurde wissenschaftlich überprüft vom Wissenschaftlichen Beirat.

Von Kornelia C. Rebel

Die Diagnose Brustkrebs zählt nach wie vor zu den Herausforderungen des Lebens, die in erster Linie Angst auslösen. Die gängige Behandlung für Krebs in der Brust von Frauen (Fachausdruck Mamma-Karzinom) war lange Zeit eine radikale Operation. Doch das hat sich inzwischen geändert. Früherkennung, Wissen über die Risikofaktoren und vielfältige Optionen bei der Therapie haben dazu geführt, dass immer weniger Menschen an Brustkrebs sterben. Hier finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Informationen und neueste Erkenntnisse der Wissenschaft!

Brustkrebs in Deutschland: Positive Entwicklung

Brustkrebs ist bei Frauen die häufigste Krebsart, weltweit und auch in Deutschland. Im Jahr 2020 erhielten über 2 Millionen Frauen auf der ganzen Welt diese Diagnose. 80 Prozent von ihnen waren über 50 Jahre alt (1). In Deutschland informiert das Zentrum für Krebsregisterdaten, eine Organisation des Robert-Koch-Instituts, über die Zahlen (2).

Demnach erkrankten im Jahr 2018 etwas weniger als 70.000 Frauen an Brustkrebs. Obwohl ein Mamma-Karzinom in erster Linie bei Frauen auftritt, können auch Männer einen bösartigen Tumor in der Brust entwickeln. In Deutschland erkrankten 2018 720 Männer an dieser Art von Krebs.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Brustkrebs kontinuierlich an, wobei das Alter von 50 Jahren eine Art Schwelle bildet. Die guten Nachrichten: Obwohl die Zahlen der Betroffenen nach wie vor hoch sind, sind sie seit Jahren etwas rückläufig. Besonders deutlich zeigt sich die positive Entwicklung bei den Sterberaten. 2018 betrug die Überlebensrate nach 10 Jahren 83 Prozent. Das bedeutet, von 5 Erkrankten ist nach 10 Jahren nur eine Person gestorben.

Was ist Brustkrebs?

Der Ursprungsort gibt jeder Krebsart seinen Namen. Deshalb wird als Brustkrebs jeder bösartige Tumor bezeichnet, der zuerst in der Brust wächst. Ein gutartiger Tumor wächst langsam, greift nicht in das umliegende Gewebe ein und metastasiert nicht. Im Gegensatz dazu wächst ein bösartiger Tumor meist schnell, auch in das benachbarte Gewebe hinein und bildet Metastasen im ganzen Körper (3).

Unterschiedliche Bewertungssysteme für Brustkrebs

Brustkrebs kann in verschiedene Arten unterteilt werden. Nicht-invasiver Brustkrebs kann heutzutage problemlos behandelt werden, denn er beschränkt sich auf den Ursprungsort und dringt nicht in das umliegende Binde- oder Fettgewebe ein. Diese Art von Brustkrebs wird in zwei Kategorien geordnet.

1. Das duktale Karzinom in situ (DCIS)

ist für rund 90 Prozent der Fälle von nicht-invasivem Brustkrebs verantwortlich. Dieser Tumor wächst in den Milchgängen. Allerdings kann er sich in vielen Fällen zu einem invasiven Brustkrebs entwickeln und ist deshalb keinesfalls ungefährlich (4).

2. Das lobuläre Carcinoma in situ (LCIS)

ist seltener und beginnt in den Drüsenläppchen. Sie bilden das Gewebe, in dem die Milchgänge entspringen. Es kann gleichzeitig in verschiedenen Teilen der Brust, aber auch in beiden Brüsten entstehen. Heute wird das LCIS häufig als Anzeichen für ein stark erhöhtes Brustkrebsrisiko betrachtet. Nach seiner Entfernung sind sorgfältige Vorsorgeuntersuchungen wichtig (5).

Gefährlich wird Brustkrebs, wenn er sich ausbreitet. Diese Arten von Krebs werden als invasive Krebszellen bezeichnet, weil sie das umliegende Gewebe überwältigen und Metastasen bilden. Es gibt mehrere Arten von invasivem Brustkrebs.

1. Das infiltrierende duktales Karzinom (IDC) wird als invasives duktales Karzinom genannt. IDC beginnt in den Milchgängen der Brust. Anschließend durchdringt es die Wand des Milchgangs, dringt in das Fettgewebe der Brust und möglicherweise in andere Körperregionen ein. IDC ist die häufigste Art von Brustkrebs und ist für bis zu 70 Prozent der Brustkrebsdiagnosen verantwortlich (6).

2. Das infiltrierende lobuläre Karzinom (ILC) oder invasive lobuläre Karzinom startet in den Brustläppchen, bildet aber häufig Metastasen in anderen Körperregionen. ILC macht 10 bis 15 Prozent der Brustkrebserkrankungen aus (7).

3. Das medulläre Karzinom ist ein invasiver Brustkrebs, der eine deutliche Grenze zwischen Tumorgewebe und normalem Gewebe bildet. Nur 5 Prozent der Brustkrebserkrankungen sind medulläre Karzinome (8).

4. Das mutinöses Karzinom wird auch Kolloidkarzinom genannt. Dieser seltene Brustkrebs wird von schleimproduzierenden Krebszellen gebildet. Bei nur rund 2 Prozent aller Diagnosen von Brustkrebs handelt es sich um diese

Krebsart. Die Prognose ist meist besser als bei anderen Arten von invasivem Karzinom (9).

5. Das tubuläre Karzinom ist eine Sonderform des infiltrierenden (invasiven) Mammakarzinoms. Er bildet röhrenförmige Strukturen, daher der Name. Frauen mit dieser Art von Krebs haben eine bessere Prognose als Frauen mit anderen Arten von invasivem Karzinom. Tubuläre Karzinome machen etwa 2 Prozent der Brustkrebsdiagnosen aus (10-11).

Unterschiedliche Bewertungssysteme für Brustkrebs

Zusätzlich zu den verschiedenen Arten von Krebs wird jeder individuelle Fall nach dem sogenannten TNM-System bewertet sowie in ein Stadium eingeteilt. Das Grading spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für die Therapie. Das TNM-System wurde vor über 50 Jahren von der Union for International Cancer Control und wird seitdem ständig den neuesten Forschungsergebnissen angepasst (12-13).

Bei der Abkürzung TNM steht T für die Größe des Tumors, N für die Zahl und Lage der befallenen Lymphknoten und M für die Zahl von Metastasen. Taucht ein p auf, so erfolgte die Bewertung nach einer Operation und basiert auf dem entnommenen Gewebe. Ein y steht für eine Behandlung mit Medikamenten, ein c für ein durch Untersuchungen bestimmtes Stadium.

Die Einteilung der Tumorgrößen sieht folgendermaßen aus:

  • Tis: Karzinom in situ, noch nicht in Umgebung ausgebreitet
  • T1mic: Mikroinvasion von maximal 10 mm in das umliegende Gewebe
  • T1: Der Tumor ist bis zu 2 Zentimeter groß
  • T2: Die Größe des Tumors beträgt zwischen 2 und 5
  • T3: Der Tumor ist größer als fünf Zentimeter
  • T4: Der Tumor ist fest eingewachsen, entweder in die Brustwand oder die Haut

Bei den Lymphknoten reichen die Bewertungen von N0 bis N3, wobei N0 bedeutet, dass noch keine Lymphknoten befallen sind. Hat der Krebs noch keine Metastasen gebildet, wird dies als M0 notiert. M1 bedeutet, der Brustkrebs hat in anderen Körperregionen bereits Tumore wachsen lassen.

Neben dem TNM-System ist auch die Einteilung von Krebs in Stadium 0 bis IV üblich (14).

  • Stadium 0 entspreicht Tis. Dabei handelt es sich um abnormale Zellen, eine Vorstufe von Krebs, die aber das umliegende Gewebe noch nicht angegriffen haben.

  • Beim Stadium I kann der Tumor eine Größe von bis zu 2 Zentimetern aufweisen. Minimaler Befall der Lymphknoten ist möglich, aber noch keine Metastasen.

  • Im Stadium II beträgt die Tumorgröße bis zu 5 Zentimeter. Lymphknoten können befallen sein, aber es haben sich noch keine Metastasen in entfernten Körperregionen gebildet.

  • Im Stadium III kann der ursprüngliche Tumor größer als 5 Zentimeter sein. Außerdem lässt sich ein ausgedehnter Befall der Lymphknoten beobachten.

  • Im Stadium IV hat der Krebs bereits Fernmetastasen gebildet. Dieses Stadium wird auch als Krebs im Endstadium bezeichnet.

Beim sogenannten Grading bestimmt ein Pathologe den Differenzierungsgrad der Krebszellen, der von G1 bis G3 reicht (15). Dafür sind folgende Faktoren ausschlaggebend:

  • Zellteilungsrate
  • Aussehen der Zellkerne des Tumors
  • Ausbildung von Gangstrukturen (Hinweis auf Verbreitung)

Beim sogenannten Grading bestimmt ein Pathologe den Differenzierungsgrad der Krebszellen, der von G1 bis G3 reicht (15). Dafür sind folgende Faktoren ausschlaggebend:

Weitere Faktoren: Hormonrezeptoren und HER2-Rezeptor

Tumorzellen können zahlreiche Rezeptoren aufweisen, mit denen sie ihr Wachstum fördern. Diese Rezeptoren stellen gleichzeitig Angriffspunkte für neuartige Therapien dar. Ungefähr 70 Prozent aller Krebszellen sind mit Rezeptoren für Östrogen oder Progesteron ausgestattet (16). Werden viele Rezeptoren festgestellt, kommt eine Anti-Hormon-Behandlung in Frage.

HER2 ist die Abkürzung für humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2. Dieses Enzym befindet sich auf den Zellwänden und kann die Zellteilung und das Überleben einer Zelle fördern. Viele HER2-Rezeptoren bedeuten, dass sich Zellen schnell teilen können (17). Allerdings öffnet dies auch die Option einer Antikörper-Therapie.

Seit einigen Jahren ist es zudem möglich, die Genaktivität in den Tumorzellen zu untersuchen. Dies hat dazu geführt, dass Brustkrebs in weitere Untertypen eingeteilt werden kann (18). In der Praxis werden bisher nur wenige Untergruppen berücksichtigt, die auf den Hormonrezeptoren und dem HER2-Rezeptor beruhen. Diese Genexpressionstests werden inzwischen in der Regel auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Die Wissenschaft macht bei der Krebsforschung seit Jahren rasante Fortschritte. Deshalb ist zu erwarten, dass die genetischen Untersuchungen von Brustkrebszellen in den kommenden Jahren weiteren Therapien den Weg bahnen (19-20). Beispielsweise wurde im Juli 2022 eine Studie veröffentlicht, die 42 vererbte Gene beschreibt, die ein höheres Krebsrisiko mit sich bringen (21).

 

Früherkennung von Brustkrebs: Die Diagnose

Je früher ein Brustkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Bei einem Tumor in situ bestehen kaum Zweifel daran, den Krebs langfristig zu verbannen (22). Die regelmäßige Selbstuntersuchung von Hand gehört zu den Methoden, die einen Tumor bereits im Anfangsstadium erkennen können. Dafür ist es hilfreich, den Aufbau der Brust zu kennen.

Aufbau der Brust bei Frauen

Die weiblichen Brüste unterliegen bis zur Menopause dem Einfluss der Hormone. Nach dem Eisprung nimmt das Gewebe mehr Flüssigkeit auf. Die Brust wird fest und spannt leicht (23). Manchmal kommen auch knotige Stellen zum Vorschein, die druckempfindlich sind. Diese Erscheinungen gehen zurück, wenn die Monatsblutung einsetzt. Es empfiehlt sich also, eine Selbstuntersuchung der Brust in der ersten Hälfte des Zyklus durchzuführen.

Die weibliche Brust heißt auf lateinisch Mamma, deshalb der Name Mamma-Karzinom. Sie besteht aus weichem, elastischen Gewebe und Haut, die gemeinsam eine Brustdrüse bilden. 15 bis 20 Drüsenlappen sind dabei in Binde- und Fettgewebe eingebettet. Jeder Drüsenlappen besteht aus kleinen Drüsenläppchen, in denen die Milchgänge beginnen. Wie ein verzweigtes Netzwerk bilden sie größere Gänge, die in der Brustwarze enden. Blut- und Lymphgefäße versorgen die Brust mit Nährstoffen und leiten Nebenprodukte des Stoffwechsels ab.

Selbstuntersuchung der Brust

Wissenschaftliche Studien stellen die Ergebnisse der Selbstuntersuchung als mögliche Diagnosemethode in Frage (24-25). Aber niemand kennt Ihren Körper so gut wie Sie selbst. Sie können am besten beurteilen, ob sich frühe Anzeichen von Krebs (verlinken mit bestehendem Artikel) bei Ihnen bemerkbar machen.

Bei der Selbstuntersuchung tasten Sie Ihre Brust ab, während Sie den Arm auf dieser Brustseite hochheben. Achten Sie dabei auf Knoten, auch in Richtung Schlüsselbein und Achselhöhle. Drücken Sie zudem sanft Ihre Brustwarzen zusammen, um zu sehen, ob sich Ausfluss bildet. Betrachten Sie Ihre Brüste auch gut im Spiegel: Lassen sich Unregelmäßigkeiten erkennen?

Folgende Symptome können auf das Wachsen von Tumoren hindeuten:

  • Verhärtungen und Verdickungen: meist beginnen Tumore im oberen äußeren Viertel der Brust, im Bereich zwischen Schlüsselbein und Achselhöhle.

  • Veränderungen der Haut: Juckende, schuppende, nässende Stellen, eingezogene Poren, Rötungen und Wärme wie bei Entzündung

  • Ausfluss aus den Brustwarzen

  • Angeschwollene Lymphknoten

In Deutschland ist die Früherkennung von Brustkrebs durch die gesetzlichen Krankenkassen recht einfach geregelt. Ab dem Alter von 30 Jahren zahlt die Versicherung für die manuelle Untersuchung durch einen Arzt. 50- bis 69-jährige Frauen haben das Recht, alle 2 Jahre eine Mammografie über sich ergehen zu lassen. Die wesentlich angenehmere Untersuchung mit Ultraschall muss in der Regel aus eigener Tasche bezahlt werden.

Mammografie wurde zum ersten Mal 1913 von einem Berliner Chirurgen angewandt (26). Seitdem wurde diese Methode ständig weiter entwickelt. Obwohl es sich um das gängige Verfahren hierzulande handelt, ist die Mammografie international stark umstritten – nicht nur, weil diese Vorsorgeuntersuchung die meisten Frauen stark belastet.

Brustkrebs-Früherkennung: Was empfehlen gesetzliche Krankenkassen?

Schmerzhaft und extrem unangenehm: Mammografie

Dabei wird die Brust zwischen zwei Glasplatten flach gequetscht, um sie anschließend röntgen zu können. Diese Behandlung der Brust fühlt sich nicht nur entwürdigend an, sie ist auch schmerzhaft, ganz zu schweigen von der Belastung durch Röntgenstrahlen.

Zudem stellt sich die Frage, ob es wirklich die beste Diagnosemethode ist. Eine 2009 veröffentlichte Studie verglich die Ergebnisse von 546 Patienten, die auffällige Symptome in ihrer Brust bemerkten (27). Dabei stellte sich heraus, dass Ultraschall-Untersuchungen für Frauen unter 45 Jahren bessere Ergebnisse lieferten.

Bei über 60 Jahre alten Frauen zeigte die Mammografie leichte Vorteile. Das lässt sich mit der veränderten Dichte des Brustgewebes erklären. Dennoch kommen die Studienautoren zu dem Schluss, dass sich beginnender Brustkrebs mit Ultraschall besser erkennen lässt.

Wirklich die beste Vorsorgeuntersuchung?

Eine 2017 veröffentlichte Untersuchung über den Nutzen von Vorsorgeuntersuchungen mit Mammografie an den Frauen der Niederlande zeigte, dass damit die Sterberate von Brustkrebs kaum beeinflusst wurde (28). Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie französischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2018, die Vorsorgeuntersuchungen per Mammografie in verschiedenen Ländern untersuchte, unter anderem in England und Schweden (29).

2019 publizierten US-amerikanische Wissenschaftler einen systematischen Review von Studien, die zwischen 2000 und 2018 durchgeführt wurden (30). Sie sprechen sich dafür aus, Ultraschall als bevorzugte Methode für die Früherkennung von Brustkrebs zu nutzen. Für Ultraschall spricht zudem, dass diese Untersuchung preisgünstiger ist als die Mammografie.

Die Kernspinntomografie ist ebenfalls eine geeignete Methode, um Brustkrebs frühzeitig zu erkennen (31). Allerdings bezahlen Krankenkasse diese Untersuchung nur in Ausnahmefällen, da sie wesentlich teurer als eine Mammografie ist.

Anmerkung der Autorin: Als Frau im fortgeschrittenen Alter mit Brustkrebs in der Familie lasse ich regelmäßig eine Vorsorgeuntersuchung durchführen. Allerdings hasse ich die Mammografie und wähle deshalb Ultraschall, den ich privat bezahle.

Was passiert bei einem auffallenden Ergebnis der Vorsorgeuntersuchung?

Wenn die Vorsorgeuntersuchung auffällige Stellen oder Knoten zeigt, ist eine Biopsie der nächste Schritt. Sie zeigt, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt.

Dabei gibt es verschiedene Methoden. Meist wird die Stanzbiopsie angewendet. Bei örtlicher Betäubung wird eine Hohlnadel mit 1,5 Millimeter Durchmesser bei hoher Geschwindigkeit in die Brust eingebracht. Die Vakuumbiopsie erlaubt es, größere Gewebeproben zu entnehmen. Mit einem Vakuum wird Gewebe in eine Hohlnadel gesaugt, die bis zu 3,5 Millimeter dick sein kann.

Bringen diese Methoden keinen klaren Befund, kann eine offene Biopsie notwendig sein. Dabei erhält die Patientin eine kurze Vollnarkose. Allerdings ist diese Technik nur selten notwendig.



Behandlung von Brustkrebs


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von Kornelia C. Rebel /  Biologe, Autor, Wildpflanzen-Experte

Dank Magersucht und Binge Eating in ihrer Jugendzeit gehört Kornelia C. Rebel zu den Experten, die sich schon in jungen Jahren intensiv mit Ernährung beschäftigt haben. Die Ess-Störungen hat die ausgebildete Journalistin mithilfe einer Psychotherapie überwunden. Das Interesse an der vielschichtigen Bedeutung von Essen ist geblieben. Nach zehn Jahren Arbeit als Redakteurin für Tageszeitungen und Rundfunk hat Kornelia als Hausfrau und Mutter in Goa, Indien, drei Bücher über Ernährung in englischer Sprache geschrieben. Alle erhielten den Gourmand World Cookbook Award von Edouard Cointreau. Cooking for Happiness bekam 2017 sogar den Titel ‚Best in the World’ in der Kategorie Innovativ. Heute schreibt Kornelia als freie Autorin wissenschaftlich fundierte Texte über Gesundheitsthemen. Ihr Spezialgebiet sind Nahrungsergänzungsmittel.

Krebs Wissensserie Teil 2

Komorbidität bei Krebs: Welche Erkrankungen häufen sich bei Patienten?

Dieser Artikel wurde wissenschaftlich überprüft vom Wissenschaftlichen Beirat.

Von Kornelia C. Rebel

Die Diagnose Krebs ist für jeden Patienten mit psychischen Belastungen verbunden. Doch ein Unglück kommt selten allein. Komorbidität trifft bei jedem zweiten Krebspatienten zu und verkompliziert die Behandlung in der Praxis. Komorbidität bedeutet, an mehreren Krankheiten gleichzeitig zu leiden. Welche Krebsarten sind in der Praxis am häufigsten von Komorbidität betroffen? Was ist Psychoonkologie? Hier finden Sie Antworten.

Begriffsklärung: Was ist Komorbidität?

Bei dem Wort Komorbidität handelt es sich um einen relativ neuen Begriff. Der amerikanische Wissenschafter Alvan R. Feinstein verwendete dieses Wort zum ersten Mal im Jahr 1970 (1). Damals definierte er das Wort als jede zusätzliche, gleichzeitig bestehende Erkrankung mit einer diagnostizierten Krankheit. Er schuf dieses Wort, weil Komorbidität offensichtlich an der Tagesordnung war. Im gleichen Atemzug kritisierte er, dass die fehlende Beachtung von Begleiterkrankungen zu irreführenden Daten bei Sterblichkeitsraten führte.

Mittlerweile hat sich der Begriff Komorbidität zwar eingebürgert, aber auch als unzulänglich erwiesen. Das Wissenschaftsmagazin Journal of Comorbidity änderte seinen Namen im Jahr 2021 in Journal of Multimorbidity and Comorbidity um (2). Dabei berufen sich die Forscher auf folgende Definition von Multimorbidität aus dem Jahr 2010 (3): „Multimorbidität wird hier definiert als die Koexistenz von zwei oder mehr chronischen Erkrankungen, wobei eine nicht notwendigerweise zentraler ist als die anderen.“

Heutzutage wird das Wort Komorbidität etwas häufiger gebraucht als Multimorbidität. In diesem Artikel verwenden wir deshalb den Begriff Komorbidität. Er bezeichnet für uns mehrere Krankheiten, an denen Krebspatienten gleichzeitig leiden.


Prävalenz von Krebserkrankungen

Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählt Krebs weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung schätzte im Jahr 2020, dass weltweit einer von fünf Menschen im Laufe ihres Lebens an Krebs erkranken werden. Jeder achte Mann und jede elfte Frau werden an Krebs sterben (4). Weltweit und auch in Deutschland steigen die Zahlen der Krebspatienten seit Jahren an. 

Die DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie) hat 2020 eine Studie mit folgendem Titel veröffentlicht: Deutschlandweite Prognose der bevölkerungsbezogenen Morbiditätserwartung für häufige Krebserkrankungen (5). 

In diesem Gutachten sagen die Experten voraus, dass Deutschlands Bevölkerung bis 2025 um voraussichtlich 1,3 Millionen Personen wachsen wird. Überproportional wird in diesem Zeitraum der Anteil der über 60-Jährigen steigen, nämlich um 20 bis 30 Prozent. Die Zahl der Krebspatienten wird ebenfalls deutlich zunehmen. Die DGHO rechnet mit rund 525.000 neuen Krebsfällen pro Jahr. 

Wie bisher bleibt bei Frauen Brustkrebs die häufigste Erkrankung, gefolgt von Darm- und Lungenkrebs. Bei Männern sind Krebs der Prostata sowie Darm- und Lungenkrebs die häufigsten Krebsarten.


Komorbiditäten von Krebs in Deutschland

Die Untersuchung der DGHO listet verschiedene Komorbiditäten von Krebs, die sich auf Zahlen aus dem Jahr 2014 beziehen. Erwartungsgemäß steigen die Zahlen der Komorbiditäten mit zunehmendem Alter an. Bereits in jungen Jahren machen sich jedoch Nierenprobleme und Übergewicht bemerkbar. 


Nierenerkrankungen und Krebs

Rund jeder zehnte Krebspatient im Alter zwischen 20 und 59 Jahren leidet gleichzeitig an einer Niereninsuffizienz. Chronische Nierenerkrankung (CKD) und Krebs sind auf mehrfache Weise miteinander verknüpft: Krebs kann CKD entweder direkt oder indirekt durch die unerwünschten Nebenwirkungen von Krebsbehandlungen verursachen. Andererseits ist CKD ein großer Risikofaktor für Krebs. Zudem spielen bei beiden Krankheiten häufig Giftstoffe aus der Umwelt eine wichtige Rolle (6).


Fettgewebe fördert Krebserkrankungen

Übergewicht zählt ebenfalls zu den zahlenmäßig häufigsten Komorbiditäten von Krebs. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen tritt sie nur bei etwa jedem zehnten Krebspatienten auf. Bei allen anderen Altersgruppen von Krebs beträgt die Anzahl der stark übergewichtigen Personen um die 20 Prozent. 

Weltweit gilt Übergewicht, gemessen am Body Mass Index, als ein wichtiger Risikofaktor für alle gängigen Krebsarten. Eine 2015 veröffentlichte Studie bezeichnete die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen als „unvollständig verstanden“ (7). Bereits ein Jahr später publizierten US-amerikanische Wissenschaftler eine Untersuchung, in der sie mit Fettleibigkeit verbundene chronische Entzündungen als die Hauptursache identifizieren (8).

Demnach handelt es sich bei Fettgewebe um ein endokrines Organ. Das bedeutet, es sondert Signalstoffe ab. Diese können die Mikroumgebung eines Tumors ebenso regulieren wie das Verhalten von Tumoren. Zellen aus dem Fettgewebe und Stammzellen von Fett können in der Umgebung eines Tumors das Wachstum fördern.

Darüber hinaus fördert Übergewicht zusätzlich andere chronische Krankheiten, die mit Krebs in Verbindung stehen. Dazu zählen die bereits erwähnten chronischen Nierenerkrankungen, aber auch Diabetes mellitus und Atherosklerose (9).


Häufig bei älteren Patienten: Diabetes und Krebs


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von Kornelia C. Rebel /  Biologe, Autor, Wildpflanzen-Experte

Dank Magersucht und Binge Eating in ihrer Jugendzeit gehört Kornelia C. Rebel zu den Experten, die sich schon in jungen Jahren intensiv mit Ernährung beschäftigt haben. Die Ess-Störungen hat die ausgebildete Journalistin mithilfe einer Psychotherapie überwunden. Das Interesse an der vielschichtigen Bedeutung von Essen ist geblieben. Nach zehn Jahren Arbeit als Redakteurin für Tageszeitungen und Rundfunk hat Kornelia als Hausfrau und Mutter in Goa, Indien, drei Bücher über Ernährung in englischer Sprache geschrieben. Alle erhielten den Gourmand World Cookbook Award von Edouard Cointreau. Cooking for Happiness bekam 2017 sogar den Titel ‚Best in the World’ in der Kategorie Innovativ. Heute schreibt Kornelia als freie Autorin wissenschaftlich fundierte Texte über Gesundheitsthemen. Ihr Spezialgebiet sind Nahrungsergänzungsmittel.